Urs Lendermann, Odilo Hasberg, Alexandra Stapp und Fynn Heitmann vor irischen Zentralbank ©Alexandra Stapp

Von Hachenburg nach Dublin: Diskussionen zur Zukunft Europas

Seit Jahren steht Europa vor der Frage, wie es auf neue geopolitische Unsicherheiten, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und veränderte Erwartungen an die europäische Sicherheitsarchitektur reagieren soll. Bei der 32. International Conference of Europeanists des Council for European Studies in Dublin diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa und darüber hinaus unter dem Leitmotiv „Hopes and Realities of the European Future“ über zentrale Zukunftsfragen der europäischen Integration. 

Urs Lendermann und Odilo Hasberg mit anderen Teilnehmenden ©Inga Feldmann
V.l.n.r.: Odilo Hasberg (Deutsche Bundesbank), Lukas Spielberger (University of Luxembourg), Inga Feldmann (Freie Universität Berlin), Colleen Anderson (Smithsonian’s National Air and Space Museum, Washington, D.C.), Urs Lendermann (Deutsche Bundesbank).
An der Konferenz nahmen auch Professor Urs Lendermann und Hachenburg-Absolvent Odilo Hasberg teil. Gemeinsam präsentierten sie ihr aktuelles Paper mit dem Titel „Debt Funding of a European Defence Union“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Europa den steigenden Finanzierungsbedarf im Verteidigungsbereich decken kann, ohne die fiskalische und rechtliche Ordnung der Europäischen Union zu überfordern. Untersucht wurden unter anderem koordinierte nationale Ausgaben, intergouvernementale Fonds, EU-Kreditfinanzierung für Darlehen sowie weitergehende Modelle gemeinsamer europäischer Verschuldung.

Die Analyse mündete in einen stufenweisen Blick auf eine mögliche Europäische Verteidigungsunion. Kurzfristig brauche Europa vor allem eine leistungsfähigere Beschaffungsunion, die Fragmentierung reduziert und Skaleneffekte ermöglicht. Darauf aufbauend könne eine Verteidigungsfinanzierungsunion entstehen, die europäische öffentliche Güter gezielt unterstützt. Langfristig erfordere eine echte Europäische Verteidigungsunion jedoch nicht nur finanzielle Instrumente, sondern auch politischen Mut und eine neue Verständigung über geteilte Souveränität.

Ein besonderer Höhepunkt der Konferenz war zudem die Keynote von Judge Síofra O’Leary, ehemalige Präsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Ihre Ausführungen zu europäischen Umbrüchen und institutioneller Resilienz passten in besonderer Weise zu den Diskussionen über die Zukunft der europäischen Integration.

Urs Lendermann, Odilo Hasberg, Alexandra Stapp und Fynn Heitmann vor irischen Zentralbank ©Alexandra Stapp
V.l.n.r.: Urs Lendermann, Odilo Hasberg, Alexandra Stapp und Fynn Heitmann (alle Deutsche Bundesbank).
Neben den wissenschaftlichen Diskussionen bot die Konferenz auch Gelegenheit für ein Hachenburger Wiedersehen in Dublin. Professor Urs Lendermann und Odilo Hasberg trafen dort die Studierenden Alexandra Stapp und Fynn Heitmann, die derzeit eine Praxisphase bei der Central Bank of Ireland absolvieren. Der Austausch zeigte auf persönliche Weise, wie vielfältig die europäischen Bezüge der Hochschule der Deutschen Bundesbank sind – von wissenschaftlichen Beiträgen auf internationalen Konferenzen bis hin zu praktischen Erfahrungen bei europäischen Zentralbanken und Institutionen.

Die Konferenz machte deutlich: Europas Zukunft hängt nicht allein von politischen Zielsetzungen ab, sondern auch von tragfähigen rechtlichen, fiskalischen und institutionellen Lösungen. Gerade im Bereich Verteidigung wird es darauf ankommen, ambitionierte Integrationsziele mit demokratischer Kontrolle, fiskalischer Transparenz und europäischem Mehrwert zu verbinden.