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Integrationstag an der Hochschule

Integrationstag an der Hochschule

11.03.2014

Ein Tag im Rollstuhl

Wie fühlt sich das an, wenn man als Rollstuhlfahrer über unebene Gehwege fährt? Florian Thies, Student an der Hochschule der Bundesbank in Hachenburg, weiß, wie das ist: "Es ist einfach körperlich sehr anstrengend, über Kopfsteinpflaster zu fahren, wenn abwechselnd mal das linke, mal das rechte Rad ein kleines Stück tiefer steht", sagt Thies.

Es gebe in Hachenburg zwar ein behindertengerechtes Zimmer, aber um dorthin zu kommen, müsse man Umwege durch Kantine und Küche auf sich nehmen. "Bestimmte Räume wie die Bibliothek oder der Schlosskeller, in dem die Hachenburger abends gerne zusammensitzen, sind ohne fremde Hilfe gar nicht erreichbar", sagt Thies.

Aber: Der Student ist in Wirklichkeit gar nicht schwerbehindert, er kann Treppen steigen und hat längere Zeit Basketball gespielt. Doch beim zweiten Aktionstag unter dem Motto "Integration leben" am 11. März in Hachenburg durfte er selbst einmal im Rollstuhl Platz nehmen und konnte eine Spezialbrille aufsetzen, die eine Sehbeeinträchtigung simuliert. "Auf jeden Fall eine bereichernde Erfahrung, die einem hilft, manches anders zu beurteilen", sagt er.

Mitmenschen sensibilisieren

Der Integrationstag gehört seit vergangenem Jahr fest zum Lehrplan in Hachenburg. Für die Auszubildenden in der Zentrale, für Referendare und für die Teilnehmer des dualen Studiums zum Informatiker gehört ein vergleichbares Programm schon seit Längerem dazu.

"Menschen ohne Schwerbehinderung zu sensibilisieren, wie sich ein Leben mit Handicap gestaltet, und den Umgang mit Schwerbehinderten zu erleichtern, ist das Hauptziel dieser Programme", sagt Nicole Lay, Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen in der Zentrale der Deutschen Bundesbank. "Für einen Rollstuhlfahrer kann es beispielsweise sehr unangenehm sein, wenn der Gesprächspartner steht", sagt Lay. "Da kann man schnell eine Genickstarre bekommen und hat zudem den Eindruck, von vornherein nicht auf gleicher Augenhöhe zu sprechen."

Neue Inklusionsvereinbarung

Wie kann die Inklusion in der Deutschen Bundesbank weiter gefördert werden? Burkhard Reiske, Hauptvertrauensperson der schwerbehinderten Menschen in der Bundesbank, der Zentralbereich Personal und der Hauptpersonalrat überarbeiten derzeit die bestehende Integrationsvereinbarung – die damit zur Inklusionsvereinbarung wird, in der der Inklusionsgedanke dann auch offiziell in der Bundesbank verankert wird. Noch im zweiten Quartal 2014 soll sich der Vorstand mit dem Entwurf der neuen Vereinbarung befassen.

Umbauten können die Inklusion ebenfalls fördern. Erst vor kurzem wurde im Gästehaus der Bundesbank in der Zentrale ein Zimmer rollstuhlgerecht gestaltet. Behinderte Gäste können nun Teil ihrer Besuchergruppe bleiben, statt in ein Hotel ausquartiert zu werden. Auch der Einbau von elektrischen Türöffnern im Bildungs- und Tagungszentrum der Bundesbank in Eltville hat Hürden abgebaut.

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